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Der letzte Klang-Töpfer

Das Talerschwingen ist Klangteppich und Geschicklichkeitsübung in einem. Fingerfertigkeit und Erfahrung sind auch bei Hans Schwendener aus Buchs SG gefordert: Der 74-Jährige ist schweizweit der Einzige, der Talerbecken herstellt.

«Ich bin Handwerker und verstehe mich nicht als Künstler», betont Hans Schwendener während des Gesprächs mehrmals. Diese Aussage wird mit einem Blick in seine Töpferei in Buchs deutlich. Anstelle eines durchgestylten Verkaufsraums türmen sich in den raumhohen Regalen handgemachte Teller, Tassen und Schüsseln. An einer Seitenwand am Boden ist ein besonderes Zwischenlager: Hans Schwendener zeigt auf eine Auswahl Talerbecken in verschiedenen Grössen. Vier- bis fünfhundert dieser klangvollen Gefässe entstehen jährlich in den Händen des Werdenbergers.

Drei Jahre Probezeit
Mitten im organisierten Chaos steht Hans Schwendeners Töpferscheibe. Sie begleitet den 74-Jährigen seit 60 Jahren. Mit 14 hat er die obligatorische Schule abgebrochen und in Liechtenstein eine Töpferlehre absolviert. 1969 eröffnete er sein eigenes Geschäft im Elternhaus, wo er heute noch lebt und arbeitet. Fast genauso lange fertigt Hans Schwendener Talerbecken an. «Ein Kunde kam zu mir mit zwei Talerbecken und fragte mich, ob ich ihm das fehlende Dritte töpfern könne.» Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Hans Schwendener mit diesem Klanginstrument nie auseinandergesetzt. Da er aber die Herausforderung liebt, begann er intensiv zu pröbeln. Abschauen konnte er sich die Herstellung dieser konischen Gefässe bei niemandem. «Ich brauchte ungefähr drei Jahre, bis ich einigermassen mit dem Resultat zufrieden war.» Schnell sprach sich in der Jodelszene herum, dass es mit Hans Schwendener jemand versteht, wohlklingende Becken zu töpfern.

Die Qual der Wahl
Heute hält wohl fast jeder Jodelchor, der Talerbecken als Begleitinstrumente nutzt, ein Schwendener-Original in den Händen. Kundinnen und Kunden können sich beim Werdenberger Töpfer ein «Gspiil» (drei unterschiedlich grosse Talerbecken) nach eigenem Gusto zusammenstellen. «Da die Schüsseln Handarbeit sind, können sie im Klang leicht variieren. Hinzu kommen die jeweiligen unterschiedlichen Vorlieben der Jodler. Da ist es am besten, wenn die Sänger ihre Wahl gleich selber treffen», begründet Hans Schwendener sein Vorgehen.

Gefühlssache und Kraftakt
Wer ihm bei der Arbeit zusieht, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Innert weniger Minuten wird aus dem unförmigen Tonklumpen nur dank Fingerfertigkeit und etwas Wasser ein formvollendetes Talerbecken. «Je grösser das Gefäss, desto schneller muss man arbeiten, damit sich das Material nicht verformt oder abbricht», so der Spezialist. Wie ein Drechsler klaubt Hans Schwendener blitzschnell überschüssigen Ton vom eigentlichen Objekt weg. Welche Menge entfernt werden muss, damit die Wände den perfekten Durchmesser haben, ist reine Gefühlssache. «Nur schon ein Millimeter zu viel oder zu wenig, kann später einen ganzen Ton höher oder tiefer bedeuten», weiss Hans Schwendener. Neben viel Gespür und Erfahrung ist das Töpfern von Talerbecken ein ziemlicher Kraftakt: «Es kamen schon eine Handvoll Berufskollegen bei mir in die Schnupperlehre. Die Arbeit war ihnen dann aber zu streng. Die rund sechs Kilogramm Ton zu verarbeiten, die es für eine grosse Schüssel braucht, ist nicht ohne.»

«Ich möchte bis ich 100 Jahre alt bin töpfern. Dann beginne ich langsam abzubauen.»

 

Appenzeller Sonntagsbuffet mit «Rundum-Blick»

Typisches Appenzeller Sonntagsbuffet mit einer grossen Auswahl an Vorspeisen, warmen Köstlichkeiten und Desserts. Und natürlich mit musikalischer Unterhaltung im Gipfelrestaurant.

Jeden Sonntag von 11.30 bis 15.00 Uhr.
Eine Reservation ist erforderlich.
Erwachsene ab CHF 87.– p. P. inklusive Berg- und Talfahrt.

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In neun Stunden auf 1000 Grad
Mit einem an zwei Korken befestigten Draht löst Hans Schwendener flink das Becken von der Töpferscheibe. An einem Tag schafft der Routinier bis zu 40 Stück in derselben Grösse. Beim Ton schwört er auf Material vom Hoch Ybrig. «Dieser Ton hat eine schöne rote Färbung und klingt viel klarer und heller als beispielsweise derjenige aus Deutschland, mit dem ich anfangs die Becken herstellte.» Bevor es in den Brennofen geht, trocknen die Schüsseln zwei Wochen lang in der Werkstatt auf Holzbrettern. Dabei ist es wichtig, dass die Raumtemperatur nicht zu hoch ist und kein Durchzug entsteht. Gebrannt werden die Talerbecken bei 1000 Grad. Neun Stunden dauert es, bis diese Hitze erreicht ist. Hans Schwendener behält währenddessen den Ofen stets im Blick. «Es ist ziemlich schwierig, von aussen zu regulieren, dass oben und unten in etwa dieselben Temperaturen herrschen.» Auch diese Temperaturunterschiede beeinflussen die spätere Tonlage und den Klang massgeblich.

Spärliche Zierde
Nach dem ersten Brennvorgang trägt Hans Schwendener die Glasur auf. Einzige Zierde sind dabei drei cremefarbene Rillen am Beckeninnenrand. «Wenn die Schüsseln als Geschenk gedacht sind, schreibe ich auf Wunsch mit einer Spezialfarbe noch Namen sowie Hochzeits- oder Geburtstagsdaten auf die Innenseite. Zu dick darf die Schicht aber nicht sein, da sonst der Fünfliber nicht mehr schön rotiert.» Abschliessend wird die Glasur beim zweiten Brennvorgang fixiert.

Dekor und Salatschüssel
Das Talerschwingen in Begleitung zum Naturjodel ist eine Spezialität der Appenzeller und Toggenburger Volksmusik. Dementsprechend begrenzt ist die Zielgruppe für die Becken. «Ich staune manchmal selber, dass die Nachfrage nicht abreisst. Schliesslich vermehren sich ja in der heutigen Zeit die Jodelchöre nicht gerade wie Pilze», so Hans Schwendener. Der Töpfer mutmasst, dass die Becken nicht nur als Klangteppich dienen, sondern auch ein beliebtes Dekorelement sind oder als Salatschüsseln oder Früchteschalen verwendet werden.

Von Düsseldorf bis Säntis
Hans Schwendener ist ein Handwerker und in dem was er tut, sehr effizient: Neben den 400 bis 500 Becken, die jährlich in seinen Händen entstehen, töpfert er beispielsweise Honigtöpfe in grosser Stückzahl, die von Firmen als Kundengeschenke bestellt werden. Mindestens sechs Tage in der Woche arbeitet der 74-Jährige von 8 bis 17 Uhr in seiner Töpferei. Sein Auftragsbuch ist seit Jahrzehnten konstant gut gefüllt. «Ich möchte bis ich 100 Jahre alt bin töpfern. Dann beginne ich langsam abzubauen.» Obwohl er in seinem ganzen bisherigen Arbeitsleben nie ein Inserat geschaltet und keine Webseite hat, finden Kundinnen und Kunden aus der ganzen Schweiz den Weg zu ihm. Vor einigen Monaten lieferte er gar ein Talerbecken-Ensemble an eine Oper in Düsseldorf. Und wer im Restaurant Säntisgipfel auf dem Säntis isst, hat gute Chancen, dass er dies aus Tellern und Schüsseln von Hans Schwendener tut. Der Werdenberger hat vor einigen Jahren mehrere Hundert Geschirrstücke mit einer schlichten, einglasierten Säntis-Silhouette angefertigt.

Backnasli

«Backnasli»

Für das Talerschwingen braucht es neben dem tönernen Rahmbecken einen «Backnasli», was Appenzeller Dialekt für ein Fünffrankenstück ist. Manche schwören dabei auf einen Fünfliber, der vor 1969 geprägt worden ist, als die Münzen noch aus einer Silberlegierung waren. Hans Schwendener ist da nicht so wählerisch: «Es geht auch mit den Kupfernickel-Fünflibern.» Viel entscheidender sei, dass die Münze bereits etwas abgenutzt ist. Stehen nämlich die Sterne auf der Kante der Münze noch zu weit vor, rotiert das Fünffrankenstück nicht optimal im Talerbecken.

Appenzeller Sonntagsbuffet mit «Rundum-Blick»

Typisches Appenzeller Sonntagsbuffet mit einer grossen Auswahl an Vorspeisen, warmen Köstlichkeiten und Desserts. Und natürlich mit musikalischer Unterhaltung im Gipfelrestaurant.

  • Jeden Sonntag von 11.30 bis 15.00 Uhr.
  • Eine Reservation ist erforderlich.
  • Erwachsene ab CHF 87.– p. P. inklusive Berg- und Talfahrt.
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