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Das Kleid für Besonderes

Sie sind der farbenprächtige Hingucker bei kirchlichen Prozessionen, Alpfahrten, Auftritten von Jodelchören, an Viehschauen oder bei «Alpstobeten»: die Trachten rund um den Säntis.

Appenzeller Sonntagsbuffet mit «Rundum-Blick»

Typisches Appenzeller Sonntagsbuffet mit einer grossen Auswahl an Vorspeisen, warmen Köstlichkeiten und Desserts. Und natürlich mit musikalischer Unterhaltung im Gipfelrestaurant.

Jeden Sonntag von 11.30 bis 15.00 Uhr.

Eine Reservation ist erforderlich.

Erwachsene ab CHF 87.– p. P. inklusive Berg- und Talfahrt

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Die Tracht ist ein Teil des hiesigen Brauchtums. Sie ist Ausdruck des Traditionsbewusstseins, das im Toggenburg und im Appenzellerland bis heute hingebungsvoll gepflegt wird. Nicht ohne Grund wird die Festtagstracht beispielsweise in Appenzell Innerrhoden «s’schönscht Häss» – das schönste Kleid – genannt.

Werbewirksamer Blickfang
Die Volkstrachten sind ein relativ junges Phänomen. Sie entwickelten sich nach 1800 auf Initiative der bürgerlichen Oberschicht und dienten zuerst ihren politischen Anliegen. Die Tracht übernahm eine wichtige Funktion beim Aufbau der nationalen Identität im sich formierenden Bundesstaat. Jedem der damals 22 Kantone wurde ein Trachtenpaar zugeordnet und bei patriotischen Festumzügen malerisch in Szene gesetzt. Trachten verkörperten aber auch die verklärte Sehnsucht des Bürgertums nach ländlicher Idylle und ursprünglicher Lebensweise. Unzählige Druckgrafiken mit anmutigen Trachtenfrauen ­eroberten den Markt und avancierten zum beliebten Reiseandenken.

Verschwunden, um wieder zu kommen
Im Lauf des 19. Jahrhunderts verschwanden sie zugunsten städtischer Kleidung mehrheitlich wieder. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Tracht zum sogenannten Kleid der Heimat. Aus diesem Grund gibt es auch nicht «die Tracht», sondern von Region zu Region, von Kanton zu Kanton und manchmal sogar von Dorf zu Dorf unterschiedliche textile Interpretationen dieses Heimatgefühls.

Anpassen an Mode
Trachten passten sich immer wieder den jeweiligen modischen Strömungen an. Das bekräftigt auch Birgit Langenegger, Co-Leiterin des Museums Appenzell: «Die ersten Trachten haben sich an der Rokokomode orientiert. Später folgten Einflüsse aus dem Empirestil. Im Biedermeier gewann die Tracht an Volumen, Farbe und Ausschmückung. Nach 1875, als das favorisierte Schönheitsideal mehr und mehr von schlanken Silhouetten geprägt war, wurden auch bei den Trachten die Korsetts länger und enger geschnürt. Strengere Schnitte und gedeckte Farben gingen mit diesem Trend einher.»

«Die Trachten der protestantisch geprägten Ausserrhoderinnen und Toggenburgerinnen sind eher schlicht und puritanisch gehalten.»

 

Spiegel des Frauenbilds
Trachten haben sich parallel zu den ­gesellschaftlichen Gepflogenheiten und ­jeweiligen Ideologien der Bevölkerung ­entwickelt. So verändert sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Interesse an der Tracht. Heimatschützerische Kreise beginnen, Trachten als «echte» Zeugen der Vergangenheit zu sammeln, zu erforschen und nach alten Vorbildern zu rekonstruieren. Ab den 1920er-Jahren wird das Trachtenwesen ideologisch wie ästhetisch neu geordnet und gleichzeitig institu­tionalisiert. Eine tragende Rolle nimmt dabei die 1926 gegründete Schweizerische Trachtenvereinigung ein. Künstler wurden beauftragt, die bisherigen, pompöseren Trachten neu zu interpretieren und spartanischer zu gestalten. «Die neu geschaffenen Trachten standen auch für ein konservatives Frauenbild», hält Birgit Langenegger fest. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich diesem Vorhaben vor allem die Innerrhoderinnen augenscheinlich widersetzt haben. Im Halbkanton, in dem Frauen auf kantonaler Ebene erst seit 1991 ein Stimmrecht haben, wollte man nichts von den einfachen Trachten wissen und blieb bei der prachtvollen Festtagstracht mit ihren zahlreichen Handstickereien, Filigranschmuckelementen, der aufwendigen Schnittführung und der Fülle an edlem Stoff.

Religiöse Prägung
Auf sämtliche Frauentrachten einzugehen, die am Fusse des Säntis getragen werden, sprengt den Rahmen. Ein Grundsatz lässt sich aber festhalten: Die Trachten der protestantisch geprägten Ausserrhoderinnen und Toggenburgerinnen sind eher schlicht und puritanisch gehalten. Demgegenüber hat der Prunk der katholischen Kirche in Innerrhoden den Dekorations- und Kunstsinn bei der Trachtengestaltung zünftig angekurbelt. Es ist im kleinsten Kanton der Schweiz ein ungeschriebenes Gesetz, dass die prächtige Festtagstracht nur zu religiösen Feiern und zu speziellen Festtagen getragen werden darf. Aber auch im Toggenburg oder in Ausserrhoden sind die Trachten viel zu kostbar, als dass man sie im Alltag tragen würde. Die Tracht ist und bleibt ein Kleid für besondere Tage.

Mieder_Ausserrhoder_Sonntagstracht

«Besetzt»-Zeichen

Manche Frauentrachten senden eindeutige Signale. So lässt sich am Mieder der Ausserrhoder Sonntagstracht erkennen, ob deren Trägerin verheiratet ist oder nicht. Sind die rauten-förmigen Ausschnitte an der Vorderseite mit goldenem Stoff unterlegt, ist die Frau verheiratet. Ledige Trachtenfrauen tragen ein mit silbernem Stoff unterlegtes Mieder. Bei der Innerrhoder Festtagstracht sollten bindungsbereite Männer einen Blick auf die grosse Kopfhaube werfen: Verheiratete Frauen tragen ein am Hinterkopf angebrachtes goldbesticktes Käppchen mit einer pink­farbenen Seidenschleife. Unverheiratete Innerrhoderinnen tragen eine Art Diadem, einen weissen Kranz aus Kunstblumen, den sogenannten Myrtenkranz.

 

«Öberefahre»

Typisches Appenzeller Sonntagsbuffet mit einer grossen Auswahl an Vorspeisen, warmen Köstlichkeiten und Desserts. Und natürlich mit musikalischer Unterhaltung im Gipfelrestaurant.

Jeden Sonntag von 11.30 bis 15.00 Uhr.

Eine Reservation ist erforderlich.

Erwachsene ab CHF 87.– p. P. inklusive Berg- und Talfahrt

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