Bahn in Betrieb

Der Rekordjäger der Leichtathletik

Mentale und emotionale Stärke sind Schlüsselfaktoren für Rekorde. Einer, der sein Leistungsspektrum momentan voll ausschöpft, ist Simon Ehammer. Der Ausserrhoder Mehrkämpfer, der von der Säntis-Schwebebahn AG unterstützt wird, hält nichts von Tiefstapeln und äussert seine sportlichen Ziele klar und deutlich. Der Ausnahmeathlet erzählt, was er für seine mentale Stärke macht und wie er neben all seinen Höchstleistungen mit Niederlagen umgeht.

2022 knackte der Appenzeller Mehrkämpfer Simon Ehammer einen Rekord nach dem anderen. So hält der Ausser­rhoder mit 8,45 Meter seit Sommer 2022 den Weltrekord im Mehrkampf-Weitsprung. Doch damit nicht genug: An der Hallen-WM in Belgrad holte er im März Silber im Siebenkampf, im Juli gewann er an der Leichtathletik-WM in den USA Bronze im Weitsprung und im August wurde er in München Vize-Europameister im Zehnkampf.

Vom Fussball zur Leichtathletik
Der 23-Jährige trägt das Herz auf der Zunge und scheut sich nicht, seine sportlichen Ziele auch in offene Mikrofone zu sagen: «Ich wollte schon als Kind immer der Beste sein», gibt Simon Ehammer unumwunden zu. Diese Kindheit verbrachte er in St.Gallen und in Stein AR, wo die Familie bis heute lebt. «Ich war schon als Junior-Fussballer beim FC St. Otmar sehr ehrgeizig.» Mit elf wechselte er zum TV Herisau in die Leichtathletik. Als 13-Jähriger trat er in die Sportschule Appenzellerland in Teufen ein. Dort führte ihn das Trainerteam rund um die Gebrüder Karl und René Wyler Schritt für Schritt der nationalen Leichtathletik-Spitze entgegen.

Emotionen im Griff
Trotz seines scheinbar ungebrochenen Erfolgs konnte sich Simon Ehammer bei Widrigkeiten ziemlich aufregen. Lief ein Wettkampf nicht nach Wunsch, kickte er schon mal vor Enttäuschung in eine Werbebande. «Als Teenager war ich ein ganz schlechter ­Verlierer und konnte meine Emotionen noch nicht sehr gut kanalisieren», räumt Simon Ehammer ein. Mit der professionellen Unterstützung des Betreuerstabs der Sportschule gelang dies immer ­besser. «Ich lernte nach und nach mit Stolpersteinen umzugehen und meinen Ehrgeiz positiv zu nutzen.» Das heisst aber nicht, dass der Zehnkämpfer heute an Biss verloren hat: «Ich gewinne immer noch gerne, sei es bei einem Gesellschaftsspiel oder beim Plausch-Fussballmatch mit meinen Kollegen. Heute stapfe ich aber nicht mehr wutentbrannt davon, wenn es nicht nach meinem Gusto läuft.»

Umfeld holt ihn auf den Teppich
Simon Ehammer hat aktuell auch keinen Grund, mit seinen sportlichen Leistungen unzufrieden zu sein. Sukzessive pulverisiert er nationale und internationale Bestmarken. Sein erklärtes grosses Ziel: «Eine Medaille an den Olympischen Spielen 2024.» Auch wolle er ­irgendwann neun Meter weit springen und im Zehnkampf 9000 Punkte gewinnen. Solche Aussagen könnten schnell als arrogant ausgelegt werden, hätte Simon Ehammer seine bisherigen Ankündigungen nicht allesamt in die Tat umgesetzt oder gar übertroffen. Was ist es, was den gelernten Sportartikel-Detailhandelsfachmann so stark macht? «Ich habe mit meiner Familie, meiner Verlobten und meinem Freundeskreis ein Umfeld, das mich wieder auf den Teppich holt, wenn ich drohe, ­abzuheben. Gleichzeitig geben sie mir eine grosse Sicherheit und Gewissheit, dass sie für mich da sind, auch wenn es sportlich nicht mehr so laufen sollte. Das verleiht mir viel Sicherheit und Selbstvertrauen.»

«Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn ich nach einem Wettkampf in Richtung Appenzellerland fahre und dann plötzlich das Säntismassiv am Horizont auftaucht.»

So hoch hinaus wie Simon?

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Mit der Kraft des Unterbewusstseins
Simon Ehammer ist mit 1,84 Meter weder riesig noch mit seinen 81 Kilogramm ein Brocken. Sein Trainer René Wyler sagt über ihn, er sei im Vergleich zu anderen Mehrkampfathleten eher feingliedrig gebaut, aber von den Fuss- bis zu den Haarspitzen mit Energie geladen. Tage, an denen die Batterien nicht voll sind, kennt Simon Ehammer nur wenige. Wenn überhaupt, dann sei in der Aufbausaison die Gefahr am höchsten, in ein Motivationsloch zu fallen. «Spitzen­sportler brauchen den Wettkampf, um ihre absoluten Höchstleistungen abzurufen. Wenn du im Winter während mehreren Wochen diese Vergleiche nicht hast, kann es schon zu Verunsicherung kommen. Diese Momente dauern aber bei mir nicht lange an. Ich liebe einfach, was ich tue und dazu gehören auch die Trainings.» Neben seiner physischen Stärke arbeitet er auch vertieft an seinen mentalen Skills. So schwört der 23-Jährige seit rund zwei Jahren auf Hypnose. «Das Eintauchen ins Unterbewusstsein hilft mir dabei, meine Emotionen und Gedanken gezielt zu steuern, damit ich meine Wettkämpfe noch fokussierter angehen kann.»

Trainingsbücher des ehemaligen Rekordhalters
Gefragt nach der Bedeutung seiner bereits gesammelten Rekorde, erzählt Simon Ehammer: «Jeder Rekord für sich ist wertvoll und bestärkt einen. So bedeutet es mir enorm viel, dass ich 2022 in die Fussstapfen von Stephan Niklaus ­treten durfte. Niklaus hat einst seine Trainings­bücher René Wyler für sein Training zur Verfügung gestellt. Dass ich nun als Renés Schützling nach 39 Jahren Niklaus’ Schweizer Rekord im Zehnkampf brechen konnte, schliesst einen ­schönen Kreis.»

Säntis sorgt für Heimatgefühl
Simon Ehammer unterstreicht mit dieser Anekdote, wie wichtig ihm die persönliche Komponente in seinem beruflichen Umfeld ist. «Das Vertrauen in den Trainerstab, aber auch zu meinen Sponsoren ist mir enorm wichtig. Ich schätze es deshalb sehr, dass mich mit der Säntis-Schwebebahn AG sozusagen mein Hausberg unterstützt. Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn ich nach einem Wettkampf in Richtung Appenzellerland fahre und dann plötzlich das Säntismassiv am Horizont ­auftaucht. An diese heimatliche Strahlkraft kommt fast nichts heran.»

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