Wenn der Ernstfall eintrifft
2025 verzeichnete die Alpine Rettung Ostschweiz (ARO) bei der ARS-Station Schwägalp (Säntis) 15 Einsätze und 34 im gesamten Alpstein (inkl. AI, Wildhaus/Amden, Sax).
Wird ein Alarm ausgelöst, geht es oft um Menschenleben. «Im Notfall zählt jede Minute», betont Bommeli. «Lieber einmal zu früh alarmieren als zu spät.» Karten-Apps, wie z. B. map.geo.admin.ch oder die Rega-App, können bei der Orientierung und im Notfall wertvolle Dienste leisten, auch bei schlechter Sicht oder schwierigen Verhältnissen. Sehr wichtig ist, geplante Touren inkl. allfälliger spontaner Änderungen einer Vertrauensperson mitzuteilen. Nicht jeder Einsatz endet gut. Was also tun, um gar nicht erst in Not zu geraten? Man muss seine Tour planen, und zwar nicht nur grob, sondern mit allem, was dazugehört: Routenwahl, Höhenmeter, Ausweichrouten, Wetterprognose, Ausrüstung – und die richtige Selbsteinschätzung. Auch Pausen gilt es einzuplanen.
Gerät man selbst in eine Notlage, heisst es: Ruhe bewahren. Mit anderen in den Austausch kommen und nach Hilfe fragen. Und die Rega alarmieren, bevor das Risiko zu gross wird. Beobachtet man einen Unfall, gilt dasselbe: Nicht lange fackeln, sondern sofort die Rega alarmieren. Grundsätzlich sollte man nie versuchen, die verunfallte Person zu retten, um sich selbst nicht auch in Gefahr zu bringen.
Erfahrung schützt vor Unfällen
Ein weiteres Thema, mit dem sich die Bergrettung immer mehr konfrontiert sieht, sind psychische Belastungen der Menschen. Manche kommen auf den Berg, um den Kopf freizukriegen, doch sie bringen ihren prall gefüllten Sack mit Sorgen mit, der schwer auf ihnen lastet. «Wenn die Bodenhaftung fehlt, suchen viele Halt im Felsen, aber nicht jeder findet ihn», so Bommeli. Der langjährige Bergretter hat vieles gesehen – vom verstauchten Knöchel bis zum tragischen Tod.
111 Menschen kamen 2024 bei alpinen Sportarten ums Leben, davon waren 17 Personen SAC-Mitglieder. Die vergleichsweise geringe Zahl lässt vermuten: Erfahrung schützt. Viel Erfahrung bringt auch Daniel Bommeli mit, der seit über 20 Jahren bei der Säntis-Schwebebahn AG arbeitet und ebenso lange als ehrenamtlicher Bergretter im Einsatz steht. Was ihn an dieser anspruchsvollen Aufgabe fasziniert, ist das Sinnvolle dahinter, nämlich Hilfe zu leisten. «Für mich gehören Berg, Bahn und Rettung einfach zusammen. Das ist meine Welt.» Und gerade spezielle Einsätze lassen ihn immer wieder aufs Neue spüren, warum er das macht. Wie jener Einsatz im Winter, unterhalb des Spitzli, als sie nachts um 2.00 Uhr nach einem vermissten Mann suchten. Alle wollten die Suche vorerst abbrechen, doch sein Kollege folgte seiner Intuition, ging noch einmal die Rinne hoch und fand ihn dort. Statt Totenwache am Berg zu schieben, bauten sie aus Skiern und Schneeschuhen einen Rettungsschlitten und führten den Leichnam nach Rücksprache mit den Behörden zur nächstbefahrbaren Strasse, wo er abgeholt werden konnte. «Im Sommer fand ich bei einer Begehung jener Rinne eine Brille, Mütze und einen Stock – es sind wertvolle Erinnerungsstücke für die Angehörigen.»
Der Appell eines Retters
Am Ende bleibt die Frage: Was möchte ein Bergretter wie Daniel Bommeli jenen mitgeben, die sich auf den Weg in die Berge machen? Er überlegt kurz und sagt: «Mit offenen Augen losmarschieren. Nicht aufs Handy starren oder dem nächsten Gipfelrekord nachhetzen. Vielmehr wahrnehmen; den Adler, das Kuhglockengebimmel, die Alpenblumen. Einfach achtsam sein und die Natur mit Respekt behandeln.» Der Berg ist ein Ort der Schönheit und der Stille. Wer ihn betritt, sollte wissen: Nicht die Gipfelleistung zählt, sondern dass man wieder gesund heimkehrt. Wie die Person am Anfang dieser Geschichte.
Die Alpine Rettung Ostschweiz
Die Alpine Rettung Ostschweiz (ARO) ist ein Regionalverein der Alpinen Rettung Schweiz (ARS). Ihr Einsatzgebiet umfasst die Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich sowie den östlichen Teil des Aargaus. Ebenfalls der Organisation angeschlossen ist Schutz und Rettung Zürich mit seinen Fachspezialisten Helikopter. Auch das Fürstentum Liechtenstein wird über die ARO alarmiert.
Acht Tipps für schöne Wandertage und eine intakte Berglandschaft
1. Fit in die Berge | Für jedes Fitnesslevel gibt es die passende Wanderung. Wichtig dabei ist, sich selbst realistisch einzuschätzen. |
2. Sorgfältige Tourenplanung | Wanderkarten, Apps, Führerliteratur, Internet und Fachpersonen informieren über Distanzen, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. |
3. Zweckmässige Ausrüstung | An Tour anpassen. Immer dabei: Regen-, Kälte- und Sonnenschutz, Erste-Hilfe-Set, Mobiltelefon. |
4. Passendes Schuhwerk | Gute Wanderschuhe verbessern die Trittsicher- heit. Bei der Wahl auf perfekte Passform, rutschfeste Profilsohle und Wasserdichtigkeit achten. |
5. Auf markierten Wegen bleiben | Vermeiden Sie Abkürzungen und kehren Sie zum letzten bekannten Punkt zurück, wenn Sie mal vom Weg abgekommen sind. |
6. Pausen einlegen | Von Zeit zu Zeit rasten, genug trinken und energiereich essen, um die Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten – und nicht zuletzt, die Landschaft zu geniessen. |
7. Verantwortung für Kinder | Ein Erwachsener pro Kind in Gefahrenpassagen, ausgesetzte Touren meiden. |
8. Respekt vor der Natur | Keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, Wild- und Weidetieren nicht stören, Pflanzen unberührt lassen und Schutzgebiete respektieren. |