Die Kraft der Sonne nutzen
Wenn Maschinist und Betriebselektriker Guido Kaiser von seiner Arbeit erzählt, fallen die Worte «natürlich verantwortungsvoll» fast beiläufig – so selbstverständlich sind sie für ihn und das ganze Team. Ein zentrales Feld ist die Solarenergie. Schon vor Jahren wurde auf dem Gipfel an der Südterrasse des Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit 8 kW Maximalleistung installiert. «Das Spannende ist, dass wir im Winter über-durchschnittlich viel Strom produzieren, weil die Sonne über den Wolken scheint. Wogegen im Sommer im Verhältnis eher weniger Strom erzeugt wird, weil es öfters bewölkt ist», erläutert Kaiser. Das Phänomen dahinter: Auf 2’502 Metern über Meer liegt der Säntis im Winter oft über der Wolkendecke und profitiert von ungetrübter Sonneneinstrahlung auf das Gebäude. Gleichzeitig arbeiten Photovoltaikmodule bei Kälte effizienter als an heissen Sommertagen. Da es im Sommer auf dem Säntis häufig bewölkt ist, liefert die Anlage in der kalten Jahreszeit teilweise sogar mehr Strom als im Sommer. Ende April 2025 folgte der nächste Schritt: Auf dem Dach der Abwasserreinigungsanlage auf der Schwägalp ging eine 33-kW-PV-Anlage in Betrieb. «Wir haben noch keine Langzeitwerte, aber wir sehen schon jetzt: Sie ist sinnvoll. Gerade im Sommer, in der Hochsaison, wenn das Hotel mehr Strom braucht, entlastet sie das Netz spürbar», so Kaiser.
Erde – das natürliche Heizen und Kühlen
Auch die Gebäudetechnik ist auf Energieeffizienz ausgelegt: Ein Erdsondenfeld liefert die Grundlage für die Wärmepumpe, die das Hotelgebäude im Winter beheizt und im Sommer passiv kühlt. «Ein natürlicher Kreislauf, der perfekt zur Bergwelt passt», findet Kaiser. In der Lingerie wurden vor zwei Jahren neue Waschmaschinen und Tumbler installiert, die mit einem integrierten Wärmerückgewinnungssystem ausgestattet sind. Dabei wird die warme Abluft nicht ungenutzt abgeführt, sondern zur erneuten Aufheizung der Geräte verwendet. Laut Kaiser kann die Wärmeleistung dadurch nahezu verdoppelt werden.
Wasser – vom Himmel ins Glas
Auf 2500 Metern Höhe ist Wasser eine wertvolle Ressource. Deshalb wird das Regenwasser auf dem Gipfel gesammelt und in Tanks mit bis zu 550 m3 gespeichert, wo es dann in der Aufbereitungsanlage zur Trinkwasserqualität aufbereitet wird. Ausserdem wird das Wasser zum Kochen und für den gesamten Betrieb genutzt. Mehrstufige Filter, wöchentliche Spülungen und regelmässige Laborproben sichern die Qualität. «Wir haben auch schon überlegt, das Regenwasser für die WC-Spülungen zu nutzen, aber der Aufwand wäre enorm. Trotzdem: Schon heute sparen wir m Sommer viel Frischwasser und müssen nichts vom Tal hinaufführen», erklärt Kaiser. Apropos WC: Im «Säntis – das Hotel» wird auf Dual-Spültoiletten gesetzt, welche je nach Bedarf unterschiedliche Wassermengen verbrauchen und somit Wasser einsparen. Genauso beim Duschen: Die Sparbrausen verbrauchen nur zehn Liter pro Minute – das ist die Hälfte einer herkömmlichen Dusche.
Luft – schweben statt fliegen
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der Bau der neuen Säntis-Schwebebahn. Schon bei der Planung und Vorbereitung wurden ökologische Aspekte berücksichtigt. Wann immer möglich wurde das Baumaterial mit der Seilbahn statt mit dem Helikopter befördert. Gleichzeitig sorgt ein Umweltverträglichkeitsbericht dafür, dass Flora und Fauna jederzeit geschützt sind. «Wir mussten viele Bewilligungen einholen», sagt Kaiser, «aber für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns an die Auflagen halten.» Die alte Bahn von 1974 wird im Sommer 2027 komplett zurückgebaut, inklusive der Fundamente, die noch aus der Zeit der ersten Seilbahn (1935) stammen. Dadurch ist der Boden frei von Betonresten. Ab Ende 2026 sowie 2027 wird das restliche Baumaterial mit der neuen Bahn ins Tal geführt. In technischer Hinsicht bringt die neue Bahn mehr Sicherheit und Effizienz: Zum einen durch das integrierte Räumungssystem, das herkömmliche Evakuierungen überflüssig macht. Zum anderen gibt es künftig nur noch eine Stütze, was bedeutet, dass die Säntis-Schwebebahn auf aufwendige Lawinenverbauungen verzichten kann und potenzielle Schäden im Ereignisfall geringer ausfallen. Dazu kommt, dass die die neuen Motoren und Umrichter für mehr Effizienz sorgen.
Das nachhaltige Drumherum
Nicht jede Investition ist spektakulär, aber oft entscheidend. So wurden die Trafostationen im Tal und auf dem Gipfel modernisiert, um Energieverluste zu reduzieren. Auch die Lüftungssysteme verbrauchen dank einer Optimierung deutlich weniger Strom. «Das sind Dinge, die man von aussen nicht sieht, aber viel bringen», sagt Kaiser. Offensichtlich hingegen ist die Parkplatzbewirtschaftung. Wer mit dem Auto anreist, bezahlt eine Parkgebühr – ein Anreiz, öfters den ÖV zu nutzen. Es gibt aber auch Anreize für Elektroautos: Bereits heute gibt es zwei Ladestationen beim Girenspitz-Parkplatz und sechs Ladestationen in der Parkgarage für die Hotelgäste. «Die Nachfrage steigt, wir werden wohl weiter aufstocken müssen», so Kaiser.
Die Zukunft im Hinterkopf
Am Säntis zeigt sich, wie technischer Pragmatismus und ökologisches Denken ineinandergreifen. Ob Photovoltaik, Regenwassernutzung oder Materialtransporte per Seilbahn: Die einzelnen Massnahmen wirken auf den ersten Blick unscheinbar, in der Summe sind sie jedoch ein starkes Bekenntnis für eine nachhaltige Zukunft. In den Köpfen der Verantwortlichen stecken weitere Pläne. «In den kommenden Monaten sind wir zwar vollends mit dem Bahnbau beschäftigt, aber die nachhaltige Verantwortung ist ein laufender Prozess, den wir garantiert nicht aus den Augen verlieren», so Kaiser.