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Lernen von den grossen Bösen

Eintauchen ins Königscamp der Jungschwinger in Wildhaus

Jedes Jahr bietet sich für 80 Jungschwinger im Königscamp in Wildhaus die Gelegenheit, von ihren grossen Vorbildern den einen oder anderen Kniff abzuschauen. Der Toggenburger Jamiro Brägger und der Appenzeller Roman Koch waren beim Königscamp 2024 begeistert mit von der Partie.

Besondere Talentförderung

Seit 2014 fndet das Königscamp beim Berggasthaus Oberdorf in Wildhaus statt. Das Königscamp lockt jährlich rund 80 junge Schwinger aus der ganzen Schweiz zwischen 10 und 15 Jahren ins Toggenburg und ist jeweils schnell ausgebucht. Während einer Woche trainieren und lernen aufstrebende Schwingtalente aus allen fünf Schweizer Teilverbänden mit erfahrenen Spitzenschwingern, die teilweise selbst als Buben Campteilnehmer waren. Die jungen Athleten proftieren von der grossen Durchmischung der landesweiten Lagerteilnehmer. Organisiert wird das Königscamp von Sportmanager Roger M. Fuchs.

Sorgen bei kleinen Fussballfans Namen wie Haaland, Mbappé oder Messi für leuchtende Kinderaugen sind bei Jungschwingern Giger, Staudenmann oder Wicki die grossen Idole. Welcher Nachwuchssportler möchte nicht gerne direkt von seinen Vorbildern lernen und mit ihnen trainieren? Genau diese Gelegenheit bietet sich 80 Jungschwingern aus der ganzen Schweiz jeden Sommer während einer Woche: «Lernen von den Besten» ist das Motto des alljährlichen Königscamps in Wildhaus. Entsprechend gross ist die Nachfrage. So durfte Jamiro Brägger aus Ebnat-Kappel 2024 zum ersten Mal am beliebten Trainingslager teilnehmen, nachdem es 2023 aufgrund der vielen Anmeldungen
noch nicht geklappt hatte: «An meinem elften Geburtstag überraschten mich meine Eltern damit, dass ich für das Camp 2024 einen der ersehnten Plätze bekommen habe», freut sich Jamiro Brägger.

Ärger in der Waschküche
Im Königscamp teilt sich der junge Toggenburger das Zimmer mit fünf anderen Buben, die er alle bereits von Jungschwingertagen kennt. Seine Leidenschaft für den Schwingsport verdankt Jamiro Brägger seinem Grossvater, einem grossen Schwingfan. Seit seinem sechsten Lebensjahr steht Jamiro regelmässig im Sägemehl. Neben dem Schwingen spielt er Fussball beim FC Ebnat-Kappel. «Mittlerweile ist es gar nicht so einfach, die Trainings, Matches und Schwingfeste alle unter einen Hut zu bekommen», hält er fest. Am Schwingsport schätzt Jamiro besonders die Möglichkeit, seine Kraft und Energie voll auszuleben. «Einzig meine Mami hat jeweils nicht so Freude, wenn sie wegen mir beim Wäschemachen überall Sägemehl hat.»

Boom in der Innerschweiz
Nicht nur bei der Familie Brägger in Ebnat-Kappel findet sich viel Sägemehl in der Waschküche: Laut Rolf Gasser, Geschäftsführer des Eidg. Schwingerverbandes (ESV), boomt der Schwingsport aktuell besonders in der Innerschweiz, die mit Joel Wicki den amtierenden Schwingerkönig in ihren Reihen hat. Solche Idole sind laut Gasser enorm wichtig für die Basisarbeit. Verschiedene ehemalige Aktive sind gelegentlich als Hilfstrainer im Einsatz und unterstützen die technischen Lei­ter im Nachwuchsschwingen.

«Auch bei den vergangenen Königscamp-Austra­gungen gaben schon Grössen wie die Schwingerkönige Matthias Sempach, Kilian Wenger, Matthias Glarner oder Nöldi Forrer ihre Erfahrungen an ihre potenziellen Nachfolger weiter.»

Füsse als Geheimwaffe

Jamiro freut sich während der Königs­camp-Woche 2024 besonders auf den Gasttrainer Samir Leuppi, ein erfahrener «Eidgenosse», der ihm und den anderen Teilnehmenden wertvolle technische Tipps gibt. Zu Jamiros Lieblingsschwüngen zählen der Innere Haken und der Fussstich. «Ich versuche gerne, meine Gegner mit den Füssen zu bezwingen. Das ist so ein bisschen meine Spezialität.» Doch nicht nur im Stand, sondern auch am Boden fühlt er sich wohl.

Idol im selben Klub

Das Camp bietet Jamiro Brägger die Gelegenheit, neue technische Tricks von Spitzenschwingern gezeigt zu bekommen und gleichzeitig seine eigenen «Mödeli» zu erkennen und auszumerzen. «Daneben lernte ich in dieser Woche in Wildhaus viele Jungschwinger aus anderen Regionen der Schweiz kennen, denen ich sonst an den Schwingfesten noch nicht gegen­überstand. Wir haben uns auch untereinander das eine oder andere beigebracht. Manche Schwünge habe ich in der detaillierten Ausführung vielleicht von meinen Trainern in Wattwil etwas anders ge­lernt als die Camp-Teilnehmer aus der Innerschweiz oder Bern.»

Gefragt nach seinem grossen Idol im Schwingsport muss Jamiro nicht lange überlegen: «Ganz klar Werner Schlegel, das aktuell erfolgreichste Mitglied des Schwingklubs Wattwil. Ich kenne ihn persönlich und hin und wieder schaut Werner bei uns in den Jungschwingertrainings vorbei. Das ist jedes Mal etwas Besonderes.»

 

Verwandt mit dem König

Auch Roman Koch aus Gonten schaut bewundernd zu den schwingerischen Fähigkeiten von Werner Schlegel auf. «Er züücht eebe guet», attestiert der jun­ge Innerrhoder dem Ausnahmekönner aus Hemberg. Roman Koch hat mit sieben Jahren sein erstes Training beim Schwingklub Appenzell absolviert und gehörte wie Jamiro Brägger 2024 zu den Königscamp-Debü­tanten. Der 13-jährige Koch hat das Schwingen im Blut: Schwingerkönig Thomas Sutter ist ein Cousin von Vater Erwin, der selbst einst ebenfalls für den Schwingklub Appenzell in die Zwilchhosen stieg. «Dadurch habe ich den Sport schon früh am TV oder vor Ort mitverfolgt. Als Erstklässler ging ich dann zusam­men mit einem Kollegen ins Schnupper­training, was mir sehr gefiel.»

Aus dem Stand zum Erfolg

Seither arbeitet Roman zweimal in der Woche im Trainingskeller an seiner Schwingtechnik. Am häufigsten und erfolgreichsten wendet der junge Inner­rhoder seinen Inneren Haken an. «Von Michi Bless haben wir im Königscamp unter anderem den Metzger-Schwung gezeigt bekommen. Den kannte ich so noch nicht.» Ob er künftig versuchen wird, seine Gegner mit diesem Schwung auf den Rücken zu legen, lässt Roman offen. Er schwingt mit Vorliebe aus dem Stand. Als seinen grössten bisherigen Erfolg nennt er einen Jungschwingertag in der Saison 2023, wo er fünf Gänge für sich entscheiden konnte und stolz mit einem Zweig heimkehren durfte. Der Zweig ist das Pendant zum Kranz bei den Erwachsenen, den jeweils der vordere Drittel der rangierten Teilnehmenden erhalten.

Sportliche und kulinarische Freuden

Es ist denn auch das Gewinnen eines Zwei­kampfs, das ihm am meisten Freude am Schwing­sport macht, erzählt Roman Koch am Rande des Königscamps in Wildhaus. Er ist sich bewusst, dass es für solche Erfolgserlebnisse hartes Trai­ning braucht, dass er gerne in Kauf nimmt. Die intensive und lehrreiche Woche hoch über Wildhaus ist eine zusätzliche Motivationsspritze. Neben den sportlichen und ge­selligen Momenten streicht Roman Koch abschliessend einen weiteren wichtigen Aspekt hervor, weshalb er das Königscamp toll findet: «Das Essen im Berggasthaus Oberdorf ist sehr lecker.»

Nachwuchs im Sägemehlfieber

3200 Jungschwingerinnen und -schwinger sind insgesamt in den fünf Teilverbänden gemeldet. Daraus werden zusammengezählt 700 Trainingsstunden in allen Schweizer Schwingklubs pro Woche für den Nachwuchs erteilt.

Jeden Herbst bekommen Buben und Mädchen die Gelegenheit, Sägemehlluft zu schnuppern. Der Nationale Schwinger-Schnuppertag findet am 06. September 2025 statt.

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