Hochgebirge sind besonders stark betroffen
Gemäss dem internationalen Klimarat (IPCC) hat sich die Erde gegenüber der vorindustriellen Zeit um rund 1,1 Grad erwärmt (Statusbericht, 2021). In dieser Zeit ist die Temperatur auf den Kontinenten noch stärker gestiegen. Für die Kontinente beträgt die Erwärmungsrate rund 1,6 Grad. Am stärksten von der Temperaturzunahme betroffen sind die arktischen Gebiete und die Hochgebirge unseres Globus. Dies hat stark mit der Schnee- und Gletscherschmelze zu tun. Schmelzen Schnee und Eis, verändert sich die sogenannte Albedo. Während Schnee und Eis einen Grossteil der kurzwelligen Sonnenstrahlung reflektieren, wird bei einer aperen Oberfläche die Strahlung in langwellige Wärmestrahlung umgewandelt. Dabei erwärmt sich die Umgebung viel stärker als bei einem mit Schnee und Eis überzogenen Untergrund.
Erwärmungsrate in der Schweiz zwischen 1,5 und 4 Grad
Auch in der Schweiz ist es in den letzten rund 160 Jahren deutlich wärmer geworden. Betrachtet man die Messwerte seit dem Messbeginn im Jahre 1864, so kommt man auf eine lineare Erwärmungsrate (Regressionsgrade) von 1,5 Grad pro 100 Jahre. Betrachtet man nur die Erwärmungsrate seit 1961, so kommt man auf einen Wert von 0,42 Grad pro Jahrzehnt was auf ein Jahrhundert hochgerechnet einen Wert von 4,2 Grad ergibt. Gleichzeitig wird die Schneedecke immer dünner. Dies hat aber nicht nur mit weniger Schneefall zu tun, sondern auch mit der schnelleren Schneeschmelze.
Niederschlag bleibt mehr oder weniger konstant
Die Niederschlagsmengen bleiben über längere Zeiträume gesehen mehr oder weniger konstant, auch wenn immer wieder von grosser Trockenheit die Rede ist. Fakt ist: Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind viel grösser als der langjährige Trend, dazu haben wir immer öfter stationäre Systeme über uns. Dies fordert vor allem die Landwirtschaft heraus, herrscht doch im einen Jahr grosse Trockenheit und im Folgejahr können grosse Regenmengen zu Fäulnis führen. Trockenheit in der Schweiz hat nicht mit den jährlichen Niederschlagsmengen zu tun, sondern viel mehr mit Bodenverdichtung und Bodenversiegelung. Dadurch gelangt der Niederschlag oft gar nicht in den Boden, sondern verdunstet direkt oder gelangt durch den Vorfluter auf direktem Weg in grössere Gewässer. Dem Boden bleibt so das Wasser vorenthalten.
Wir sind gefordert!
Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt aktuell weiter und auch die übrigen Treibhausgase, die zu einem grossen Teil für die Erwärmung verantwortlich gemacht werden, nehmen laufend zu. Es sind aber nicht die einzigen Faktoren, die zur Erwärmung beitragen. Geringer werdende Schnee- und Eisflächen, ein Rückgang der Schwefeloxide in der Atmosphäre und die Freisetzung von Methan aus Permafrostböden tragen ebenfalls zur globalen Erwärmung bei. Die Schweiz ist gefordert. Auch sie muss ihren Anteil an der CO2-Reduktion beisteuern. Gleichzeitig darf aber auch das Augenmass nicht verloren gehen. Der Anteil der Schweiz am globalen CO2-Ausstoss beträgt rund 1 Promille. Selbst das Erreichen von Nettonull in der Schweiz würde also zu keiner globalen Entspannung beitragen, solange es den grossen Emittenten nicht gelingt, ihren CO2-Ausstoss drastisch zu reduzieren. In den kommenden Jahren darf sich die Schweiz auf keinen Fall nur auf Ausstiegsszenarien fokussieren. Im gleichen oder sogar noch in viel grösserem Mass sind Anpassungsstrategien notwendig, wie dies die strategische Leiterin Klima beim Europäischen Wetterdienst (EZMW) im Copernicus-Newsletter vom 9. September 2025 forderte.