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Bauarbeiten am Wetterberg

Interview mit Ramon Kohler, Bauführer ARGE Säntis

Auf rund 2’200 m.ü.M, mitten im rauen Gelände des Alpsteins, entsteht die neue Mittelstütze im Projekt «Säntis 2026» der Säntis-Schwebebahn. Ein Projekt, das nicht nur technisches Können, sondern auch exaktes Planen in alpiner Höhe verlangt. Wir haben mit Ramon Kohler der ARGE Säntis (Slongo AG und E.Weber AG), gesprochen, der mit seinem Team für die Baumeisterarbeiten verantwortlich ist.

Ramon, wie fühlt es sich an, an einem so besonderen Ort zu arbeiten?

Für uns ist das eine einmalige Gelegenheit an einem geschichtsträchtigen Projekt mitzuwirken. Es ist keineswegs alltäglich, an etwas so Herausforderndem und zugleich Beeindruckendem zu arbeiten. Der Säntis ist für mich persönlich etwas ganz Besonderes: Ich komme aus der Region und bin auch in meiner Freizeit oft in den Bergen, im Alpstein und rund um den Säntis unterwegs.

Welche Arbeiten habt ihr auf der Baustelle konkret ausgeführt?

Wir waren für sämtliche Fundationsmassnahmen der neuen Mittelstütze zuständig: den Aushub, die Verankerungen sowie die jetzt sichtbaren Stahlbetonarbeiten an den Eckstielfundamenten der Stütze.

Aktuell sind wir auf dem Gipfel mit den Vorbereitungsarbeiten im Räderboden sowie mit den Anker- und Betonarbeiten beschäftigt. Diese helfen, die künftig auf den Gipfel wirkenden Kräfte von rund 2500kN (entspricht ca. 250t) pro Fahrbahn in den Felsen einzuleiten. Zusätzlich bauen wir Wände und Decken zurück, die bereits 1935 erstellt wurden und verstärken die tragenden Wände für die neue Bahn.

Wie veränderten sich die Arbeiten seit 1935? Ist hier die Konstruktion auffällig anders?

Man erkennt deutlich, dass früher wesentlich weniger Stahl verbaut wurde. Auch in der Qualität des Betons und seiner Zusammensetzung zeigen sich Unterschiede. Damals galten andere Normen und man wusste deutlich weniger über die Eigenschaften und das langfristige Verhalten von Beton. Dennoch sind die bestehenden Wände in erstaunlich gutem Zustand. Es war eine Pionierleistung, in dieser Höhenlage bereits 1935 Betonarbeiten durchzuführen.

Mit den Kräften, die durch die neue Schwebebahn wirken, müssen die Wände zwingend verstärkt werden. Im Vergleich zur bisherigen Bahn entstehen nun für die Tragseile pro Fahrbahn doppelt so hohe Zugkräfte. Dafür werden grössere Poller eingebaut, an denen die Tragseile abgespannt werden.

Welche logistischen Herausforderungen gab es beim Materialtransport?

Baumaterial, Geräte und Werkzeuge wurden ausschliesslich mit der Bahn transportiert. Dafür brauchte es eine präzise Abstimmung mit der Säntis-Schwebebahn, damit der Gästebetrieb nicht beeinträchtigt wurde. Viele Transporte fanden frühmorgens oder abends nach Betriebsschluss statt. Mit dem fix montierten Seilzug unter der Bahn konnten wir Lasten effizient anheben und zwischen den Stationen und der Mittelstütze bewegen.

Das verlangte eine exakte Logistikplanung, denn die Maximallast von 6 Tonnen durfte keinesfalls überschritten werden. Vor Ort mussten wir jeweils situationsbedingt entscheiden, was in der vorliegenden Situation möglich war und was nicht.

Was unterscheidet eine Baustelle auf dem Säntis von einer im Tal?

Die Arbeitsabläufe sind grundsätzlich ähnlich, die Rahmenbedingungen jedoch deutlich anspruchsvoller. An oberster Stelle steht die Sicherheit – nicht zuletzt wegen der Wanderwege, die nahe an der Baustelle vorbeiführen sowie des exponierten Geländes. Arbeiten in dieser Höhe verlangt zudem eine gute körperliche Verfassung, denn die Luft ist dünner, was die Leistungsfähigkeit reduziert. Deshalb haben wir unsere Mitarbeitenden zusätzlich geschult, um sie auf Gefahren und Herausforderungen des Bauens in dieser Höhe gezielt vorzubereiten. Auch sind die Baucontainer und weitere Infrastruktur mit Blitzschutz gesichert, denn Wetterumschwünge können innerhalb weniger Minuten die Arbeit massiv beeinträchtigen und verlangen entsprechend umsichtigen, sicheren Handelns.

Hinzu kommt die Topografie. Beim Bohren für die Verankerungen sind wir auf eine Höhle (Kluft) gestossen, wodurch die Anker nicht wie geplant gesetzt werden konnten. Im Karstgebiet braucht es fortlaufend neue Lösungen und Bohrsysteme. In diesem Fall konnten wir die Neigung der Anker anpassen, um die Kräfte dennoch sicher in das Terrain einzuleiten.

Wie stark hat das Wetter eure Arbeit beeinflusst?

Das Wetter bestimmt hier oben alles. An einzelnen Tagen mussten wir wegen Gewitter oder Sturm früher ins Tal. Insgesamt hatten wir diesen Sommer jedoch grosses Wetterglück, sodass wir die Arbeiten an der Stütze planmässig zu Ende führen konnten.

Jetzt im Herbst und Winter wird es mit Frost und Schnee wieder herausfordernder. Aktuell ist der Abspannriegel auf der Gipfelterrasse in der Ausführung, wodurch wir noch stärker vom Wetter abhängig sind, da sich der Arbeitsplatz weitere knapp 300m höher befindet und noch exponierter gelegen ist.

Welche Sicherheitsvorkehrungen mussten getroffen werden?

Ein entscheidender Punkt ist die Kommunikation: Über den Bahnfunk standen wir stets mit dem tagesverantwortlichen Maschinisten der Säntis-Schwebebahn in Kontakt. Für die Arbeiten wurde ein spezielles Sicherheits- und Alarmierungskonzept erstellt und zusätzlich eine Anleitung «Verhalten im Notfall» bereitgestellt. (Kommt oben bereits vor). Zog ein Gewitter auf, mussten die Arbeiten zwingend unterbrochen werden und die Bauleute mussten sich in die Baucontainer zurückziehen.

Wie plant man bei solch wechselhaften Bedingungen den Arbeitsablauf?

Mit möglichst genauer, vorgängiger Planung in Form von Arbeitsprogramme und Transportlisten – auch für das Material der Subunternehmer. Und mit viel Flexibilität! Oft kann erst wenige Stunden vor Arbeitsbeginn definitiv entschieden werden, ob eine Schicht wie geplant stattfinden kann. Zudem mussten mehrere Schichten so aufeinander abgestimmt werden, dass insbesondere die Nachtstunden möglichst effizient genutzt werden konnten. Die Topografie und die wechselhaften Wetterbedingungen führen dazu, dass viele Arbeiten deutlich mehr Zeit beanspruchen als im Tal.

Der Teamgeist ist entscheidend. Wir setzen bewusst auf ein festes, eingespieltes Team, das sich kennt. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Poliere, welche koordinieren, motivieren und dafür sorgen, dass alle an einem Strang ziehen. Wenn mit Stolz und Begeisterung gearbeitet wird, überträgt sich das auf das ganze Team.

Es erfüllt uns mit Stolz, Teil dieses aussergewöhnlichen Projekts zu sein. Die beeindruckende Aussicht, die Nähe zur Natur und die besondere Atmosphäre machen das Arbeiten am Säntis zu einem einmaligen Erlebnis.

Die Arbeiten an der neuen Stütze zeigen eindrucksvoll, wie viel Fachwissen und Erfahrung in der Modernisierung der Säntis-Schwebebahn stecken. Besonders beeindruckend ist die Leistung des gesamten Teams, das unter teils extremen Bedingungen auf über 2’200 Metern Höhe Grossartiges geleistet hat.

Ein herzliches Dankeschön für das spannende Interview und für den herausragenden Einsatz am Säntis.

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