Bahn ausser Betrieb infolge Erneuerung der Bahn bis Spätherbst 2026 eingestellt!
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Bahnbrechende Visionen

Bevor Seilbahnen leise über Täler glitten und Zahnradbahnen den Berg hochratterten, waren da vor allem zwei Dinge: Vorstellungskraft und Vision. Öfters blieb es dabei, denn der Blick in die Archive zeigt, dass so manche Idee an ihre technischen oder finanziellen Grenzen stiess.

Anziehungspunkt der Ostschweiz

Schon im 19. Jahrhundert war der Säntis mehr als nur ein Berg. Mit seinen 2’502 Metern galt er seit jeher als Anziehungspunkt der Ostschweiz. Gasthäuser wie das Grand Hotel Thörig (heute Alter Säntis) oder der spektakulär gelegene Äscher lockten die Gäste an, lange bevor der Begriff «Destination» existierte. Wer den Gipfel erreichte, tat dies zu Fuss oder mit Maultieren – und so stellte sich so mancher die Frage: Geht das nicht einfacher?

1886 wagten Dr. Weder und Ingenieur Moser einen grossen Wurf: Sie stellten ein Konzessionsgesuch für eine elektrische Schmalspurbahn der Strecke St.Gallen–Haggen–Hargarten–Appenzell–Meglisalp–Wagenlücke–Säntis. Eine Linie, die nicht nur den Berg, sondern eine ganze Region verbinden sollte. Doch die Geschichte entschied anders und ein Konkurrenzprojekt von Landammann Sonderegger und Ingenieur Deutsch erhielt 1887 den Zuschlag. Sie reichten ein Vorhaben ein, das in Appenzell starten sollte, und bekamen die Konzession. Es begann ein jahrzehntelanges Ringen gegen topografische und finanzielle Hürden – und um die Frage, wer den Säntis «bespielen» darf.

Statt auf den Säntis nur bis Wasserauen

1904 tauchte ein neues Konkurrenzprojekt auf: Die Ingenieure Imfeld und Strub planten eine elektrische Standseilbahn von Urnäsch aus. Es war die Art von Projekt, die in Zeichnungen schon fast fertig aussieht, in der Realität dennoch bei der nächsten Hürde stehen bleibt. 1905 wurde das Projekt für CHF 10’000.– an die Konzessionsinhaber Dr. Meyer und Landammann Sonderegger abgetreten. Broschüren wurden gedruckt, Träume verbreitet, aber als 1912 endlich gebaut wurde, entstand nur die Talbahn Appenzell–Wasserauen. Sie war ein sichtbarer Fortschritt, zugleich eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie weit der Gipfel noch entfernt lag.

Vom Toggenburg oder Appenzellerland auf den Säntis?

1927 reichte Ingenieur Sommer ein Gesuch ein, das gleich mehrere Bausteine verband: eine Standseilbahn vom Chüesitz auf den Säntis, dazu der Ausbau der alten Schwägalpstrasse von Urnäsch nach Nesslau sowie der Bau einer Talbahn Schwende–Schwägalp. Im selben Jahr beantragte Dr. Meyer eine Luftseilbahn von Grosschräzeren über Gmeinen Wissen (Zwi-schenstation) auf den Säntis. 1928 folgte ein Toggenburger Gegenentwurf des Hoteliers Looser mit zwei Varianten: eine Luftseilbahn Unterwasser–Älpli–Säntis und eine Kombination aus Strassenausbau zum Chüeboden und von dort eine Luftseilbahn zum Säntis hoch. Auch diese Vorhaben scheiterten. Im selben Jahr wollte die Säntis Schwebebahn AG (nicht die heutige Säntis-Schwebebahn AG) mit dem Projekt Peter die Konzession ein letztes Mal ändern. Geplant war ein durchgehender Zahnradbahnbetrieb von Wasserauen auf den Säntis, doch schon die Mittel für die Projektierung fehlten. So beschloss die Generalversammlung im Jahre 1930 den Verzicht auf den Weiterausbau und die Veräusserung des Projekts Imfeld an Dr. Carl Meyer.

Kartenauschanitt und Plan für Bahn Appenzell - Seealpsee - Meglisalp - Wagenlücke - Säntis
Jux-Postkarte um 1920 zeigt das "Warten auf die Säntisbahn". Fotograf ist Säntiswart Heinrich Haas.
Satirische Postkarte zeigt Krokodil im Seealpsee das nach der Säntisbahn schnappt. Angelehnt an Loch Ness für die zahlreichen unrealisierten Projekte.

Erleben Sie «Säntis – die Geschichte»

Die Galerie «Säntis – die Geschichte» zeigt historische und denkwürdige Momente der Säntis-Schwebebahn von der Pionieridee über die ersten Bahnbauarbeiten oder das schreckliche Lawinenunglück von 2019 bis zum heutigen Tourismus-, Hotel- und Bergbahn-Betrieb. Begleiten Sie uns auf dieser Zeitreise durch 90 faszinierende Jahre. Auf dem Säntisgipfel können Sie mehr über die Geschichte des Säntis erfahren.

Erlebniswelt Gipfel

Die erste Seilbahn auf den Säntis

Damit nahm die Geschichte eine entscheidende Wendung. 1931 folgte Meyers Nachtrag: Talstation Steinfluh – Mittelstation Hungbüel (Pt. 1405) – Säntis. 1933 wurde das Gesuch angepasst; die Talstation sollte neu im Nettenfeld stehen, verbunden mit dem Ausbau der Strasse von Urnäsch zur Schwägalp. Kaum zu glauben, aber wahr: Am 22. September 1933 wurde die Konzes-sion erteilt, die heutige Säntis-Schwebebahn AG gegründet und nach nur zwei Jahren Bauzeit konnte die erste Seilbahn der Ostschweiz am 31. Juli 1935 ihren Betrieb aufnehmen – die Säntis- Schwebebahn. Nach Jahrzehnten von Schienen- und Standseilbahnideen setzte sich am Ende die Lösung durch, die am leichtesten über das Gelände kam: die Luft.

Pläne für den Hinterrugg und Hohen Kasten

Der Alpstein war ein Labor an Möglichkeiten und Ideen. Auch beim Hohen Kasten kursierten vor der realisierten Seilbahn (1964) verschiedene Linienführungen, sogar Zahnradbahnideen. Sie waren politisch umstritten, finanziell fragil. Auch rund um die Churfirsten im Obertoggenburg standen Überlegungen im Raum, einzelne Gipfel, wie etwa den Hinterrugg, bahntechnisch zu erschliessen. Technisch hochriskant, wirtschaftlich kaum tragfähig – und so verschwanden die Pläne, noch bevor sie eine breite Öffentlichkeit fanden.

Wenn Kapital und Krisen den Weg versperren

Rund um St.Gallen dachte man um 1900 über innerstädtische Hoch- oder Standseilbahnen nach, um höher gelegene Quartiere zu erreichen. Und selbst dort, wo Bahnen tatsächlich Realität wurden – wie die Rorschach– Heiden–Bergbahn, schwirrten Varianten und Verlängerungen umher, die dann doch nie gebaut wurden. So auch 1911 der Plan, eine elektrische Seilbahn von Rorschach auf den Rossbüchel in Grub SG zu bauen. Letztlich scheiterten viele Projekte an Kapital, Krisen, Technik oder daran, dass die Nachfrage fehlte, sobald man den Traum in Zahlen übersetzte. Später kam der Natur- und Heimatschutz dazu. Und manchmal auch die Erkenntnis, dass nicht jede bahnbrechende Vision ihr Ziel erreichen muss.

Fakten zu den weltweiten Seilbahnen

Steilste Seilbahn der Welt

Mit einer Steigung von exakt 159,4 Prozent ist die Seilbahn zwischen Stechelberg und Mürren beim Schilthorn im Berner Oberland nicht nur die steilste Pendelbahn der Schweiz, sondern sogar weltweit. Die klassische Pendelbahn überwindet auf einer Fahrbahnlänge von knapp 1’194 Metern eine Höhe von 775 Meter in nur vier Minuten. Auffällig ist der mit elf Metern sehr lange Gehänge arm, der wegen der enormen Steigung zwingend war.

Höchstgelegene Seilbahnen der Schweiz

Mit dem «Matterhorn-Express» und der «Glacier Ride I» erreichen die Gäste die höchste Bergstation Europas am Klein Matterhorn auf 3’883 m ü. M. Damit sind sie die höchstgelegenen Kabinenseilbahnen der Schweiz, die «Matterhorn Glacier Ride» gilt sogar als die höchstgelegene 3S-Bahn weltweit.

Grösste Seilbahnkabine

180 Personen finden auf den zwei Etagen der grössten Seilbahnkabine der Schweiz Platz. Diese befindet sich in Samnaun und fährt auf die Alp Trider.

Kürzeste Seilbahn

Mit einer Länge von 80 Metern ist die Standseilbahn Leisee–Sunnegga in Zermatt die kürzeste Seilbahn der Schweiz.

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