Bahn in Betrieb

2014

Neubau Schwägalp

Im Herbst 2013 wurde mit den Bauarbeiten des Neubaus der Säntis-Schwebebahn auf der Schwägalp begonnen. Der Neubau, welcher mit der Talstation der Schwebebahn verbunden ist, beinhaltet ein neues Hotel mit 68 Zimmern, ein Restaurant mit 250 Plätzen, einen Shop sowie diverse Seminar- ,Infrastruktur- und Logistikräume.

2014 Bau Aussenansicht

Mit eigenem Stein gebaut

Das Neubauprojekt musste für die Säntis-Schwebebahn zwei sehr unterschiedliche Anforderungen betreffend Kontext und Nutzung erfüllen. Zum einen, der massive Erdgeschoss-Sockelbau, wo die Gastronomie, der Shop und der Beratungsbereich für die Schwebebahn, untergebracht ist und zum anderen der mit einer Holzfassade versehene Hochbau für den Übernachtungstourismus mit 68 Zimmern, Réception, Wellness- und Tagungsbereich.
Die Schwägalp-Steinbrocken aus dem Baugrubenaushub wurden vor Ort gebrochen und in unterschiedlichen Korngrössen fraktioniert. Mit auf der Terrasse positionierten Betonanlage wurde das gebrochenen Kies einerseits zu Ortbeton verarbeitet, andererseits wurden Schwägalpsteine als Einlage für die speziellen Bituterrazzoböden verwendet. Der Kreislauf auf der Baustelle brachte eine enorme Ersparnis von geschätzten 3000 LKW-Fahrten. Es wurden gegen 80 000 Liter Diesel eingespart, was wiederum 210 Tonnen CO2 Emission verursacht hätte.
Der massive Gebäudesockel wurde mit zusätzlicher Eisenüberdeckung erstellt, damit in einer späteren Behandlung des Betons mit Höchstwasserdruck (2‘300 bar) ein Teil der Betonoberfläche ausgewaschen werden konnte und somit das kantige, braune, beige, schwarze und helle Schwägalp-Kiesmaterial wieder zum Vorschein kam.
Das Dach, mit den diagonal verlaufenden Firstlinien, wird als fünfte Fassade betrachtet. Blechdächer werden in den Bergen, bzw. im Appenzellerland und Toggenburg, sehr oft eingesetzt und sind charakteristisch.
Im Zentrum stand und steht die Natur. Für die Materialisierung wurden die für die Säntis-Schwebebahn wichtigen Leitbegriffe gesetzt, wie Waldlichtung – Materialwahrheit – Ausstrahlung – Beständigkeit – Zeitlosigkeit – Betriebskosten – Bergerlebnis. Daraus wurden auch die nachstehenden Gestaltungselemente entwickelt:
Spezialputz Gravur Krakkle
Das Projektteam hat sich früh dafür ausgesprochen, keine Bilder in den Zimmern zu integrieren. Die „Bilder“ sind die Fenster, mit imposanten Ausblicken auf die Alplandschaft. In Anlehnung an die „Schichten“ der Geologie des Säntismassivs wurden am Bau spezielle Putze erstellt. Die Innenputze auf Kalkbasis wurden in unterschiedlichen Farben durch die Knopp Malerwerkstätte aus Wil erstellt. Die Putzoberflächen wurden mit Gravurwerkzeugen bearbeitet, was zur Schichtung führte. Im Trocknungsprozess bricht das Material auch in Querrichtung, ähnlich der Krakeliertechnik aus der Töpferei und Malerei. Deshalb entstand auch der Begriff Gravur Krakkle. In Szene gesetzt werden die Spezialputze durch Streiflichter.
Bildtapeten
An neuralgischen Stellen wurden spezielle Tapeten erstellt. Gestaltet und fabriziert wurden die Tapeten durch die Jakob Schläpfer Textil aus St. Gallen. Die Bilder beinhalten verschiedene Pflanzen und Tiermotive der Alplandschaft.
Die Schwägalpstobe liegt auf ausdrücklichen Wunsch der Betreiber mitten im Grundriss – also ohne Fenster, welche den direkten Ausblick auf die Alp erlauben. Aufgrund dieser Vorgabe hat das Projektteam diesen fünfeckigen Raum mit traditionellen Elementen konzipiert und mit Verglasungen gegen die Schwingerstobe ausgestattet. Hölzerne Fensterläden ergänzen den Raum, in geschlossenem Zustand wandeln sich die Fensterläden zur geschlossenen Bildfläche – eine weitere Tapete des Jakob Schläpfer, welche Bezug zum kulturellen Reichtum der Region nimmt.
Ketteninstallationen
Für die Gestaltung von Lufträumen hat das Projektteam nach Gestaltungselementen gesucht. Aufgrund der Faszination der Schwebebahn bzw. der Bahntechnik kam die Idee auf, Installationen aus Stahlseilen zu entwickeln. Mit Arbeitsmodellen wurde die Wirkung dieser Installationen und deren Beleuchtung getestet. Dabei wurde erkannt, dass anstelle von Seilen Kettenglieder eingesetzt werden sollten. Die Ketteninstallationen erzeugen in Kombination mit tiefstrahlenden Leuchten ein spannendes Licht- und Schattenspiel. Die Bewegung der Schwebebahn im Raum berg- und talwärts wird damit in diesen Lufträumen zum Thema gemacht.
Ornamet
Das Projektteam hat in der Natur und dem Kunsthandwerk nach übergeordneten Gestaltungsmotiven gesucht. Die Natur folgt verschiedenen Gesetzmässigkeiten, wie beispielsweise den spiralförmigen Anordnungen von Pflanzenblüten oder der Ausbreitung von Winden in der Meteorologie. Auch im Kunsthandwerk wie der Bauernmalerei, der Stickerei, der Sennensattlerei oder den Scherenschnitten wurde eine sich wiederholende Formensprache von Spiralen erkannt. Die Spirale baut auf dem Goldigen Schnitt auf und folgt der Fibonacci-Reihe. Dieses Ornament wurde überall integriert, beispielsweise auf den Teppichen, auf den Fenstergläsern, in Lampen, an der Gebäudefassade, im Grundriss sowohl der Erlebnisduschen wie des Dampfbades und für Wandbeläge.
Generalplanerteam Schwägalp
Schällibaum AG Ingenieure und Architekten
Ammann Partner AG Architektur und Planung
Projektteam
Bruno Vattioni, Geschäftsführer (PL Bauherrschaft)
Michael Wehrli, Technischer Leiter (PL Stv.)
Ammann Werner, Ammann Partner AG
Thomas Preisig, Ammann Partner AG
Florian Schällibaum, Schällibaum AG
Patrik Schällibaum, Schällibaum AG
Baukommission
Hans Höhener, Verwaltungsratspräsident (Vorsitz)
Tobias Ammann, Architekt Verscio / Zürich (2013 †)
Michael Auer, Verwaltungsrat
Dölf Biasotto, Biasotto AG
Daniela Merz, Verwaltungsrätin
Roland Stump, Verwaltungsrat
Bruno Vattioni, Geschäftsführer
Michael Wehrli, Technischer Leiter (PL Stv.)
Werner Ammann, Ammann Partner AG
Thomas Preisig, Ammann Partner AG
Florian Schällibaum, Schällibaum AG
Kernteam für die Gestaltung & Innenarchtektur
Bruno Vattioni, Geschäftsführer
Remo Brülisauer, Bereichsleiter Gastro, Hotellerie
Herbert Hänni, Herisau
Michele Rondelli, Herrliberg
Jolanda Schällibaum, Wattwil
Florian Schällibaum, Schällibaum AG

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